Erdberg: Vom Dorf vor der Stadt zum urbanen Stadtteil
Gärtner, Fischer und ein gefangener König: Die Geschichte von Erdberg reicht weit zurück. Wie aus dem alten Vorort ein Teil des 3. Bezirks wurde.

Erdberg ist heute vor allem als U-Bahn-Station und Verkehrsknoten bekannt. Doch der Stadtteil im Osten des 3. Bezirks, der Landstraße, hat eine Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Er war Dorf vor den Toren der Stadt, Gärtnerort, Schauplatz einer berühmten Gefangennahme und schließlich eine der Wiener Vorstädte. Ein Streifzug durch die Vergangenheit von Erdberg.
Erdberg im Mittelalter: Ein Ort vor den Toren Wiens
Erdberg gehört zu den ältesten urkundlich erwähnten Siedlungen im heutigen Wiener Stadtgebiet. Der Ort lag südöstlich der mittelalterlichen Stadt, nahe einem Donauarm, aus dem später der Donaukanal hervorging. Die Bewohnerinnen und Bewohner lebten von Landwirtschaft, Gartenbau und dem Fluss. Der Name wird in der Regel auf eine frühe Befestigung oder Erhebung zurückgeführt; die genaue Herkunft ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Die Gefangennahme von Richard Löwenherz
Die bekannteste Episode der Erdberger Geschichte stammt aus dem Jahr 1192. Der englische König Richard Löwenherz, auf der Rückreise vom Dritten Kreuzzug, wurde der Überlieferung nach in Erdberg erkannt und gefangen genommen. Herzog Leopold V. von Österreich, mit dem Richard während des Kreuzzugs in Streit geraten war, ließ ihn festsetzen. Später wurde er auf Burg Dürnstein in der Wachau gefangen gehalten. Das hohe Lösegeld floss unter anderem in den Ausbau der Wiener Stadtbefestigung.
Gärtner, Vorstadt und Eingemeindung
Über Jahrhunderte blieb Erdberg ein ländlich geprägter Ort. Die fruchtbaren Böden nahe der Donau machten ihn zu einem Zentrum des Gemüsebaus, der die Stadt mit frischen Lebensmitteln versorgte. Durch die Lage außerhalb der Stadtmauern war Erdberg jedoch auch Kriegen und Belagerungen ausgesetzt, etwa während der Türkenbelagerungen.
Mit dem Wachstum der Stadt rückte Erdberg immer näher an das Zentrum. Im Jahr 1850 wurden die Vorstädte innerhalb des Linienwalls, darunter Erdberg, nach Wien eingemeindet. Gemeinsam mit Landstraße und Weißgerber bildete Erdberg den neuen 3. Bezirk, die Landstraße.
Industrie und Wandel im 19. und 20. Jahrhundert
Im Zuge der Industrialisierung veränderte sich Erdberg grundlegend. Gärten wichen Wohnhäusern und Betrieben. In unmittelbarer Nähe entstand der Zentralviehmarkt St. Marx, der über Jahrzehnte das Viertel prägte. Im 20. Jahrhundert kamen große Gemeindebauten hinzu. Die Eröffnung der U3 in den 1990er-Jahren machte Erdberg zu einem wichtigen Knoten im öffentlichen Verkehr.
Erdberg heute
Heute ist Erdberg ein urbaner Stadtteil mit Wohnbauten, Büros und Verkehrsinfrastruktur. Auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofs St. Marx ist mit Neu Marx ein Standort für Medien, Forschung und Technologie entstanden. Der Donaukanal mit der Erdberger Lände bietet Raum für Spaziergänge und Radtouren. Ganz in der Nähe liegt der Friedhof St. Marx, auf dem Wolfgang Amadeus Mozart begraben wurde.
Spuren der Geschichte entdecken
- Den Friedhof St. Marx als Biedermeierfriedhof besuchen.
- Am Donaukanal entlang die alte Lage am Wasser nachvollziehen.
- Die Entwicklung von Neu Marx als Beispiel für Stadterneuerung betrachten.
Häufige Fragen
Zu welchem Bezirk gehört Erdberg?
Erdberg ist Teil des 3. Wiener Gemeindebezirks, der Landstraße, mit der Postleitzahl 1030.
Was passierte mit Richard Löwenherz in Erdberg?
Der Überlieferung nach wurde der englische König 1192 in Erdberg erkannt und gefangen genommen und später auf Burg Dürnstein festgehalten.
Seit wann gehört Erdberg zu Wien?
Erdberg wurde 1850 gemeinsam mit den anderen Vorstädten eingemeindet und ist seither Teil des 3. Bezirks.